Erläuterung des Aufrufs zu einer anderen Stadtentwicklung

Wir brauchen in München und den Umlandgemeinden auch in Zukunft genügend Grünflächen für Erholung, für das Erleben von Natur, für das Spiel der Kinder und das Leben von Tieren und Pflanzen. Den Bürgerinnen und Bürgern wird eingeredet, es sei unvermeidbar, dass die Siedlungsflächen Münchens und des Umlandes immer weiter wachsen müssen – zulasten der vorhandenen Freiräume.

In den letzten Jahrzehnten ist das Ballungsgebiet München in beängstigendem Maße verdichtet worden. Eine Ursache dafür ist die von kommunalem Konkurrenzdenken (Standortwettbewerb) getriebene Ausweisung von Gewerbeflächen – mit fatalen Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, der die Mieten immer höher steigen lässt.

Unternehmen, denen in München ein günstiger Standort geboten wird, locken aus anderen Regionen Deutschlands Beschäftigte nach München („Staubsaugereffekt“). Bis zum Jahr 2030 wird ein Bevölkerungswachstum von ca. 150.000 Menschen allein für das Stadtgebiet München vorausgesagt – bei gleichzeitig verödenden und schrumpfenden Städten im Norden und Osten der Republik. (Quelle: Bevölkerungsprognose 2009 – 2030 der Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Perspektive München Okt. 2010)

Der erwartete jährliche Bedarf von mindestens 7.000 Wohnungen ist Grundlage für das Ziel der Stadt, neues Baurecht zu schaffen. Die Stadtplaner sind ratlos: Sollen sie die „Flucht nach oben“ antreten - Verdichtung der bebauten Bereiche mit immer höheren Häusern? Sollen sie immer mehr Freiflächen opfern, damit die bewusst erzeugte Nachfrage nach Bauflächen für Gewerbe, Büros, Wohnungen und Individualverkehr erfüllt werden kann?

Schon in der Vergangenheit haben die Stadtplaner auf den hohen Nachfragedruck reagieren müssen. Allein in den dreieinhalb Jahren von April 2005 bis Dezember 2008 stieg die Fläche für Gebäude und Verkehr im Stadtgebiet um zwei Millionen Quadratmeter an. Das bedeutet einen Neuverbrauch von täglich 1.500 Quadratmetern. Im Landkreis verbrauchen allein die vier Gemeinden Feldkirchen, Aschheim, Garching und Unterföhring seit 28 Jahren insgesamt täglich über 700 qm für zusätzliche Siedlungs- und Verkehrsflächen. Die Folge ist eine dramatische Verknappung von Freiflächen für Menschen und Tiere/Pflanzen. 

Beispiele

In Freiham steht ein riesiges Gewerbegebiet seit Jahren halb leer. Trotzdem wird direkt daneben schon wieder das nächste Gewerbegebiet geplant. Dabei wird die Zerschneidung eines bayernweit bedeutsamen Biotops im Gleislager Neuaubing durch eine Erschließungsstraße in Kauf genommen.

Zur Zeit verfolgt die Stadt München folgende großen Projekte und Planungen zur Ansiedlung von Gewerbe und Büros („Schwerpunkt Arbeiten“): Freiham Süd, der Hüllgraben in Daglfing, Ausbesserungswerk Neuaubing, Georg-Brauchle-Ring M-Campus, Knorrbremse, Kronprinz-Rupprecht-Kaserne, Gewerbegebiet an der Langwieder Haide, Sendlinger Straße "Hofstatt", Vogelweideplatz, Technologiepark West, Gewerbegebiet Nordost Teil 2, Siemens Campus. 

Manche Landkreisgemeinden wie Unterföhring oder Garching haben heute Gewerbegebiete, die größer sind als das gesamte Münchner Stadtgebiet vor 200 Jahren. 

Das ist das Gegenteil einer nachhaltigen Siedlungs- und Freiraumpolitik.

Fazit

Die Fläche des Großraums München ist begrenzt, dennoch wird mit der Ausweisung von Gewerbegebieten und mit neuen Standorten für Bürohäuser die Nachfrage nach Bauland angeheizt.

Immobilieninvestoren befinden sich in einer Goldgräberstimmung. Sie haben erkannt, dass Millionen Menschen in ganz Deutschland gern in München wohnen und arbeiten würden. Dagegen steigt in anderen Teilen des Landes die Arbeitslosigkeit, die Wirtschaft wandert ab, sucht und findet Standorte in lukrativen Lagen – vor allem in München und in den Gemeinden des Umlands. 

Wertvolle Freiräume werden als „Baulandreserven“ bezeichnet. Das ist die Sprache von Politikern, die sich dem gewerblichen Immobilienmarkt unterwerfen. Die Stadtpolitik setzt in unverantwortlichem Maße auf Wachstum. Wir appellieren an die Kommunalpolitiker, vor der Immobilienwirtschaft nicht zu kapitulieren.

Die an politische Vorgaben gebundene Planung wird in Zukunft dem steigenden Siedlungsdruck nicht standhalten und immer mehr Grünflächen überbauen, wenn der Wachstumsmotor „Gewerbeansiedlung“ nicht abgestellt wird. 

Ausreichend große und wohnungsnahe Grünflächen sind für ein gutes Leben der heutigen Bewohner und der späteren Generationen unverzichtbar. Lebensqualität hängt auch von grünen Freiräumen ab. Dieser Schatz darf nicht verspielt werden.

Daher verlangen wir von den Kommunalpolitikern Münchens und der Umlandgemeinden, dass sie die Politik als Gestaltungsaufgabe verstehen und nicht als Anpassung an die Eigendynamik der Marktkräfte. Stadtplanung ist mehr als bloße Moderation zwischen den starken wirtschaftlichen Interessen und den Bedürfnissen der Bevölkerung. 

München braucht nicht immer mehr Gewerbeflächen und Büros. München braucht genug Freiräume und Natur für seine Bewohner. 

Wir wollen kein Wachstum, das die Lebensqualität zerstört.

Bitte unterstützen Sie diesen Aufruf mit Ihrer Unterschrift. 

Kontakt: Hans-Joachim Schemel, Altostr. 111, 81249 München, Mail: SchemelHJ@aol.com

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